Lernstrategien: „54 Bücher pro Semester lesen ist gar nicht so schwer“

Lernstrategien und -techniken sollen Studierenden dabei helfen, Prüfungen erfolgreich zu bewältigen. Eine allgemeingültige Formel, wie jeder strategisch am besten vorgehen sollte, gibt es leider nicht. Dennoch lässt sich das eigene Lernverhalten mit einigen Tipps und Tricks nachweislich optimieren. Der Bremer FOM Student Marcel Gabor gibt Einblicke in seine Lern-Erfahrungen im berufsbegleitenden Studium und erzählt, warum es ihm hilft, sich kuriose Figuren vorzustellen. Außerdem verrät der 33-Jährige, was eine Stunde Social-Media-Nutzung am Tag und 54 Fachbücher pro Semester miteinander zu tun haben.

Lässt sich das Lernen lernen? Was meinen Sie?
Ja, davon bin ich überzeugt. Neben gängigen Empfehlungen, die sich primär um Strukturen, Selbstorganisation und Wiederholungen drehen, hat mir insbesondere die Assoziationstechnik „Loci-Methode“ sehr geholfen. Dabei visualisiere ich vor meinem inneren Auge meine übliche Laufstrecke. An jeder Abzweigung des Weges stelle ich mir einen Gegenstand vor, den ich mit einem Element verknüpfe, das ich mir merken will. Möchte ich beispielsweise den Begriff „Chunking“ – eine Methode, um Informationseinheiten (chunks) zu gruppieren, kategorisieren und Analogien zu bilden, um sich diese zu merken – treffe ich an der ersten Kreuzung auf einen Verkaufsstand mit KitKat-Chunkys. Diese Assoziationen können gerne MERKwürdig sein – dadurch präge ich sie mir umso besser ein.

Was halten Sie von der Last-Minute-Strategie?
Ich habe immer versucht, frühestmöglich mit dem Lernen oder den Hausarbeiten anzufangen – weil wirklich immer irgendetwas Unvorhersehbares dazwischen kommt. Sei es eine spontane Sonderleistung im Studium um Bonuspunkte zu sammeln, ein anspruchsvolles Projekt im Job oder eine Hochzeitseinladung am anderen Ende von Deutschland. Das Problem dabei: Was ich kurz vor der Prüfung in aller Eile auswendig lerne, ist oberflächliches Wissen. Tiefergehende Fragestellungen überfordern mich dann schnell. Gleichzeitig bildet sich kein Grundwissen, das ich wiederum für die nächsten Themen benötige.

Wie haben Sie dieses Problem für sich gelöst?
Ich bin im Laufe des Studiums dazu übergegangen, wenn möglich auch die Lehrbücher zu lesen. Hier sind die Zusammenhänge oft sehr gut erklärt und können mit bestehendem Wissen verknüpft werden. Ich weiß, dass das zusätzliche Lesen für viele unmöglich erscheint, weil jeder eh schon so viel unter einen Hut zu bekommen hat. Ich betrachte das jedoch rational: Durchschnittlich kann man etwa 250 Worte pro Minute lesen. Ein Sachbuch hat zwischen 200 und 300 Seiten, und besteht aus rund 50.000 Worten. Das bedeutet, dass ich für ein Buch ungefähr dreieinhalb Stunden Zeit benötige. Täglich verbringt jeder Deutsche etwa vier bis fünf Stunden mit Social Media, Chatten oder Fernsehen. Wenn ich pro Tag bloß eine Stunde weniger Zeit mit Netflix und Social Media verbringe, kann ich pro Semester 54 Bücher lesen – und das ist gar nicht so schwer. Ich nutze hierzu Hörbücher beim Joggen oder auf dem Fahrrad. Im Bus oder der Bahn lese ich direkt im Buch. Das gehört für mich inzwischen fest zum Alltag.

Und natürlich sollte die Erholung nicht zu kurz kommen, immerhin ist die doppelte Herausforderung ja einfach da. Ich stelle jedoch für mich fest, dass insbesondere Social Media eher ein leerer Zeitvertreib als wirkliche Erholung ist. Da kann ich die Zeit besser nutzen. Und eine Herausforderung des Studiums besteht letztlich ja auch im Zeitmanagement.

Welche Erfahrung haben Sie mit Lerngruppen gemacht?
Sehr gute. Das ist eine super Ergänzung zum Lernen im stillen Kämmerlein. Ich konnte so immer viele offene Fragen klären. Durch die Diskussionen, die innerhalb der Gruppe entstehen und den Input von anderen, konnte ich mir viele Dinge zudem viel besser merken – weil ich das Wissen mit den Personen und Gesprächen verbinden konnte. Außerdem bietet das gemeinsame Lernen einfach mehr Abwechslung und macht Spaß.