Wohnmöglichkeiten für Auszubildende

Die Schule ist beendet, das Berufsleben kann starten – doch schon wartet die erste Herausforderung: Wie will man wohnen? Will man noch bei seinen Eltern bleiben, möchte man gerne in eine WG oder in ein Wohnheim ziehen oder kann man es sich leisten, alleine zu wohnen?

Bei den Eltern zu bleiben, klingt natürlich erst einmal bequem: Die Wäsche wird gewaschen und gebügelt, das Essen steht nach der Arbeit fertig auf dem Tisch und an komplizierte Mietverträge mit Strom- und Heizkosten braucht man genauso wenig zu denken wie an die Termine der Müllabfuhr. Dazu ist das Wohnen bei den Eltern relativ günstig oder sogar umsonst. Doch geht es auf Dauer wirklich gut, wenn man eigentlich erwachsen ist und sein eigenes Geld verdient, aber die Regeln der Eltern befolgen soll?

Kommt diese Option nicht in Frage, zum Beispiel weil der freiwillige oder unfreiwillige Umzug in eine andere Stadt ansteht, gibt es folgende andere Möglichkeiten:

Ein WG-Zimmer? Das klingt doch spannend: Entweder lernt man direkt neue Freunde kennen und findet somit direkt Anschluss in einer neuen Stadt, sodass man nicht einsam ist, oder man kann sogar mit Freunden zusammenziehen, die als Familienersatz dienen können. Dazu teilt man sich die Miete und alle Nebenkosten und kann sich gegenseitig bei Terminen mit Handwerkern oder auch beim Einkaufen unterstützen. Doch was ist, wenn sich keiner um das Putzen oder um die Einkäufe kümmert und alles an einem selber hängen bleibt? Den Dreck von anderen wegmachen klingt dann nicht mehr so cool. Zudem sind die WG-Plätze oft begrenzt und es besteht die Gefahr, dass man sich mit seinen Mitbewohnern nicht versteht – so könnten seine Mitbewohner zum Beispiel keine Rücksicht nehmen, wenn man morgens schnell ins Bad muss und das Bad besetzt ist oder eine Party feiern, während man lernen muss. Jedoch ist Rücksicht im WG-Leben das allerwichtigste und während seiner Ausbildung ein weiteres Mal umzuziehen, weil keine Rücksicht genommen wird, wäre auch sehr stressig.

Ein Platz im Wohnheim? Hier bekommt man Unterstützung: Bei Fragen oder Problemen kann man sich immer an die Wohnheim-Verwaltung wenden, die einem bei jedem Problem hilft. Dazu kann man sogar wählen, ob man eine eigene Wohnung oder ein WG-Zimmer haben möchte und eine Wohnung in einem Wohnheim ist meistens wesentlich günstiger als eine Wohnung von einem privaten Vermieter. Darüber hinaus gibt es in einem Wohnheim sehr viele andere Auszubildende und Studenten, sodass man ein gutes Gemeinschaftsleben mit Gleichaltrigen hat und auch schnell neue Freunde in einer neuen Stadt finden könnte. Als Auszubildender hat man allerdings den Nachteil, dass die Plätze sehr begrenzt sind, es eine lange Warteliste gibt und vor allem, dass die Plätze meistens nur eingeschriebenen Studenten für die Dauer ihres Studiums zur Verfügung stehen. Was eben noch ein Vorteil war, mit vielen Gleichaltrigen zusammenzuleben, kann aber auch schnell ein Nachteil sein: Es kann sehr schnell laut werden, obwohl man selbst gerade seine Ruhe haben möchte.

Und alleine wohnen? Endlich sein Leben so leben, wie man es selbst möchte, niemandem sagen, wo man gerade hingeht, was man macht und Besuch haben, so viel, wie man will. Dazu keine Rücksicht auf Mitbewohner nehmen müssen und viel Platz haben, den man in einem WG-Zimmer nicht hätte. Doch so gut wie die Vorteile auch klingen mögen, die Wohnungen sind in großen Städten meistens sehr begrenzt und an den hohen Kosten kommt man leider auch nicht vorbei. Dabei fallen nicht nur Anschaffungskosten für neue Möbel oder sogar eine neue Küche an, sondern auch die laufenden Kosten sind wesentlich höher als in einer WG oder in einem Wohnheim: Zu der Kaltmiete kommen die Nebenkosten wie Strom-, Heiz-, Wasser- und Internetkosten, die man ganz alleine bezahlen muss. Aber man ist nicht nur im finanziellen sondern auch im sozialen Bereich komplett auf sich alleine gestellt: Bei einer eigenen Wohnung wird man nicht von Mitbewohnern oder der Verwaltung der Wohngemeinschaft unterstützt und in einer anderen Stadt auch nicht unbedingt von seinen Eltern – man sorgt ganz alleine dafür, dass sein Müll an den richtigen Tagen an der Straße steht und man muss selber wissen, was zu tun ist, wenn die Toilette mal verstopft sein sollte oder irgendwelche kleineren Reparaturen anfallen. Man hat keine Mitbewohner, durch die man Menschen kennenlernt und um sich herum wohnen auch nicht unbedingt Gleichaltrige – nach einem Umzug muss man in einer neuen Stadt also selber dafür sorgen, dass man sich ein soziales Umfeld aufbaut. Dabei kann nicht nur die Berufsschule oder die Arbeit helfen, sondern auch der Sportverein um die Ecke oder das Internet. Außerdem muss man es schaffen, gut mit seinem Geld umzugehen und auch mal etwas sparsamer zu leben, damit man am Ende des Monats auch noch einkaufen gehen kann.

Wenn man als Auszubildender in eine andere Stadt ziehen will oder muss und gerne trotz der vielen Kosten lieber in eine eigene Wohnung statt in eine WG ziehen möchte, sollte man sich vorher im Internet darüber informieren, welche Möglichkeiten es dabei gibt. So kann man zum Beispiel Bundesausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen, wodurch man einen Zuschuss vom Staat bekommen kann und auch keine GEZ-Gebühren bezahlen muss. Dazu bekommt man während der Ausbildung noch Kindergeld, was ebenfalls zu seinem Gehalt dazu kommt. Es hilft, wenn man sich einen Plan macht, in dem man alle regelmäßigen monatlichen Kosten aufschreibt und auch seine sonstigen Ausgaben aufführt, sodass man nicht mehr ausgibt, als man bekommt. Ein weiterer Tipp: In vielen Bereichen gibt es Rabatte für Auszubildende, sodass man während seiner Ausbildung an vielen Stellen Geld sparen kann.

Ich selber stand vor circa einem Jahr selber vor der Entscheidung, ob ich in eine WG oder in eine eigene Wohnung ziehen möchte. Nach Abwegen der Vor- und Nachteile habe ich mich dann für eine eigene Wohnung entschieden, da ich, in der für mich neuen Stadt Bremen, in der ich niemanden kannte, nicht mit Fremden zusammenziehen wollte. Außerdem habe ich auch gerne mal meine Ruhe, um konzentriert zu lernen oder einfach zu entspannen. Heute kann ich sagen, dass ich meine Entscheidung, alleine in eine andere Stadt zu ziehen, absolut nicht bereue und sie jederzeit wieder treffen würde, da man so schnell selbstständig und erwachsen wird, wie man es bei seinen Eltern niemals tun würde.