Fragen sind immer der Anfang von Veränderungen – also versuchen wir es! Am Beispiel der Bildung vielleicht?

3d human with a red question markEs liegt in der Natur der Dinge, dass wir die Welt so betrachten wie sie uns präsentiert wird und inwieweit wir willens oder in der Lage sind diese Bilder zu hinterfragen. Dabei ist es egal, ob wir Objekte betrachten, Traditionen, Mythen, Helden oder ganze Regelwerke wie Gesetze, Ideologien, Religionen oder gesellschaftliche Systeme. Meistens nehmen wir die Dinge ebenso hin wie man sie uns glauben machen will. So weit so gut!?

Stellen wir uns einmal vor, dass wir entweder als Berufsspezialist, denn dann sollten uns bestimmte Zusammenhänge bekannt sein, oder als Laie, der immerhin mit dem sogenannten „normalen Menschenverstand“ ausgestattet ist, Fragen stellen. Fragen die vermeintlich akzeptierte Handlungsweisen, Betrachtungen, Regelwerke oder tradierte Werte auf einfachste Weise auf den Prüfstand stellen. Nicht etwa bösartig, sondern lediglich erkenntnisgewinnend nach der Sinnhaftigkeit bestimmter Dinge zu fragen. Ergebnisoffen – versteht sich. Die Arbeitshypothese für dieses Vorgehen lautet: Wenn wir das konsequent machten, bliebe in unserer Gesellschaft wenig so wie es heute ist. Also Vorsicht! Gleichwohl reizt es irgendwie doch. Wagen wir einen Versuch bei der Bildungspolitik.

• Warum muss eigentlich jeder Lehrer, der an einer Schule unterrichten möchte, pädagogische und methodische Kenntnisse in seinem Lehramtsstudium nachweisen, wogegen der Hochschullehrer nichts dergleichen vorweisen muss? Kann es sein, dass die hohen Studienabbrecherzahlen damit zumindest etwas zu tun haben könnten?

• Warum ist es eigentlich erlaubt, dass Kinder in einigen Bundesländern systematisch durch den Föderalismus benachteiligt werden. Und wenn es so sein soll, wer übernimmt dann die Verantwortung dafür?

• Wenn die berufliche Bildung den Bildungspolitikern der Länder so wichtig ist, warum ist die Unterrichtsversorgung an den berufsbildenden Schulen in Niedersachsen deutlich schlechter als an den allgemein bildenden Schulen? Ist es in diesem Kontext eigentlich klar, dass die berufsbildenden Schulen neben der Vermittlung von beruflichen Inhalten auch ein Stück weit Reparaturbetrieb der Vorgänger Schulen sind und somit nochmals benachteiligt sind?

• Wenn erwiesener Maßen die ersten Lebensjahre unserer Kinder für deren Entwicklung so eklatant wichtig sind, warum sind diejenigen, die in unseren Kindertagesstätten arbeiten, nicht pädagogisch und methodisch mindestens so gut ausgebildet wie unsere Lehrer? Und wenn sie es durch ihre Ausbildung sein sollten, warum verdienen sie dann so wenig?

• Es ist auffällig, dass mit Regierungswechseln in Bundesländern Veränderungen bei den Schulstrukturen einhergehen. Beliebte Baustelle ist die Gliedrigkeit des Schulsystems. Jeder von uns der einmal zur Schule gegangen ist weiß, dass es beim Lernen eigentlich nur auf den Lehrer ankommt, egal in welcher Verfasstheit der Rest des Schulwesens ist. Warum gibt es keine bemerkenswerten Reformen bei der Lehrerausbildung? Wann gibt es endlich eine Lehrerausbildung von der die Lehrer sagen: ich fühle mich hervorragend auf meine Aufgabe in der Schule vorbereitet, so dass ich meinen Auftrag an quasi an fast jedem Kind erfolgreich erfüllen kann?

• Die duale Berufsausbildung ist u.a. durch zwei Lernorte gekennzeichnet. Warum gibt es eigentlich keine verpflichtende regelmäßige Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen Ausbildern und Lehrern? Wenn es sie tatsächlich nicht gibt, wäre das eine gute Forderung für die nächste Reform des Berufsbildungsgesetzes?

Auf etwaige Antworten können wir gespannt sein. Eines scheint jedoch vorhersehbar zu sein – die Erklärungen werden vermutlich zur Stabilisierung des Istzustandes dienen. Weniger zu erwarten ist, dass der wiederholte Funken einer konstruktiven Kritik eine bildungspolitische Entwicklung möglich macht, um bestimmte Dinge endlich zeitgeistgemäß neu zu sortieren. Als Fazit könnte man meinen, dass das alte Märchen „Des Königs neue Kleider“ immer noch brandaktuell ist.