Keine Auszubildenden? Alle Zielgruppen genau gecheckt?

Schöne Grüße aus dem Jammertal – wir finden keine Auszubildenden! Stimmt so nicht immer, denn nach wie vor gibt es Zielgruppen, mit denen wir uns bislang noch zu wenig beschäftigt haben. Möglicherweise findet sich so ein interessanter neuer Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin für Ihr Ausbildungsunternehmen.

Alle Arbeitgeber kennen das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) aus dem Jahr 2000. Weniger bekannt ist hingegen, dass das Berufsbildungsgesetz seit 2005 die Möglichkeit bereit hält, eine Ausbildung in Teilzeit zu ermöglichen. Die Idee ist, vor allem jungen Müttern und Vätern die Möglichkeit zu geben, trotz hoher zeitlicher Inanspruchnahme durch die Familie, eine Ausbildung möglichst in der Regelzeit zu absolvieren. Studien zeigen uns, dass es jungen Müttern schwer fällt, in Vollzeit in den Ausbildungsbetrieb zurück zu kehren oder gar eine Ausbildung zu beginnen. Die Auszubildenden sind gleichwohl hoch motiviert, ihr Verantwortungsbewusstsein und das Organisationsvermögen sind gestiegen. Durch die Möglichkeit der Teilzeitausbildung kann beispielsweise eine begonnene Ausbildung erfolgreich zu Ende geführt werden oder aber durch junge Mütter oder Väter begonnen werden.

Die gesellschaftliche Realität zeigt darüber hinaus Anwendungsbereiche der Teilzeitausbildung für Menschen mit Behinderungen oder bei solchen, die in der Pflege von Familienangehörigen gebraucht werden.
Was bedeutet nun Teilzeitausbildung konkret? Es handelt sich immer um eine Ausbildung, die die Ausbildungszeit verkürzt.

Dabei sind zwei Varianten möglich:
1. Teilzeitausbildung ohne Verlängerung der Ausbildungszeit. Die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts beträgt mindestens 25 und maximal 30 Wochenstunden.
2. Teilzeitausbildung mit Verlängerung der Ausbildungszeit um ein Jahr. Die Arbeitszeit beträgt einschließlich des Berufsschulunterrichts mindestens 20 Wochenstunden.

Damit wird klar Rücksicht auf die zeitlich eingeschränkte Verfügbarkeit der Klientel genommen. Das heißt aber nicht, dass die Verkürzung zu Lasten des Ausbildungsstoffes geht. Es kommt lediglich ein weiterer „Ausbildungsort“ dazu. Die Auszubildenden in Teilzeit müssen einen Teil der Ausbildungsinhalte zuhause absolvieren. Gelingt dies, dann ist das Instrument der Teilzeitausbildung hervorragend geeignet, das Thema „Beruf und Familie“ im Unternehmen zu etablieren.

Wie so oft reicht der Wille allein dafür nicht. Dies gilt für Betrieb und Auszubildenen. Um erfolgreich zu sein, bedarf es einiger Maßnahmen im Betrieb. Am besten unterstützt Sie dabei ein Ausbildungsberater Ihrer IHK. Die Herausforderung besteht in erster Linie darin, dass das Ausbildungspersonal die Vermittlung der Ausbildungsinhalte an die verkürzte Arbeitszeit anpasst. Weiterhin sollte es eine klare Absprache darüber geben, wie der Fortschritt des Ausbildungsverhältnisses verlässlich besprochen und überprüft wird. Es versteht sich von selbst, dass die Ansprechpartner in der Berufsschule einbezogen werden. Es gehört ebenso dazu, dass das Ausbildungspersonal die Teilzeitausbildung für den eigenen Betrieb als positiven Beitrag zur Fachkräftesicherung zählt und sich dafür konkret engagiert. Der Ausbilder erweitert seinen Wirkungskreis tendenziell zum Lernbegleiter von Auszubildenden mit verschiedenen Lebensbiografien. Den Verantwortlichen in den Betrieben ist diese Rollenerweiterung häufig klar, nur muss sie auch lebensnah und verbindlich umgesetzt werden. Der Auszubildende muss seinerseits sein Potential für die Durchführung der Ausbildung unter der konkreten familiären Situation einschätzen und sich entsprechend für das Gelingen einsetzen – und zwar in enger Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule. Die konkrete Umsetzung einer Teilzeitausbildung sollte zwingend ausführlich im Bewerbungsgespräch besprochen werden.
Neben den Betrieben ist auch jungen Erwachsenen die Möglichkeit der Teilzeitausbildung kaum bekannt. Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass beispielsweise bei der Oldenburgischen IHK von den ca. 4.400 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen im Jahr 2013 nur 17 als Teilzeitausbildungsverhältnisse abgeschlossen wurden.

Wenn der Arbeitgeber das Instrument der Teilzeitausbildung im Rahmen des Employer Branding für sich nutzten möchte, dann sollte die Möglichkeit der Teilzeitausbildung bei den Rekrutierungsaktivitäten kein „stilles Angebot“ sein, sondern deutlich signalisiert werden. Dies gilt beispielsweise für die Homepage genauso wie für die Stellenanzeige oder die Kommunikation auf Ausbildungsmessen. Daraus ergibt sich nicht nur die konkrete Zielgruppenansprache. Zusätzlich zeigen Sie, dass Ihr Unternehmen auch im Ausbildungsbereich das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ unterstützt. Solche Botschaften haben eine große Reichweite, etwa bei Jugendlichen, Eltern, Schulen, Arbeitsagenturen und Jobcentern. Attraktive Ausbildungsunternehmen haben mehr Chancen, passende Jugendliche zu finden und dann auch zu binden. Denn hinter einem attraktiven Ausbildungsunternehmen stehen auch attraktive Arbeitsplätze – und die finden immer ihre Nachfrage. Studien haben gezeigt, dass es jungen Müttern schwer fällt, nach Ende der Erziehungszeit in Vollzeit in den Ausbildungsbetrieb zurück zu kehren. Die Auszubildende ist jedoch hoch motiviert, ihr Verantwortungsbewusstsein und das Organisationsvermögen sind gestiegen.

Fazit: Das Instrument der Teilzeitausbildung kann vielfältige Wirkungen für Ihr Unternehmen auslösen. Zielgruppenerweiterung, Förderung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besseren Kontakt zum dualen Partner Berufsschule, Förderung der Wahrnehmung als attraktives Ausbildungsunternehmen und damit mehr Chancen auf passenden Nachwuchs, Profilierung des Ausbildungspersonals und eine hohe Bindungschance der Auszubildenden. Nicht zuletzt wirkt die Teilzeitausbildung positiv als gesellschaftliches Engagement von Unternehmen. Probieren Sie es, wenn Sie die Voraussetzungen haben oder schaffen wollen! Mehr Chancen durch viele Effekte!

Interesse an Teilzeitausbildung? Dann sollten Sie auch folgendes wissen:
Urlaubsanspruch: Der Urlaubsanspruch richtet sich nach der Anzahl der festgelegten Arbeitstage. Beispiel: der Urlaubsanspruch für Vollzeitkräfte beträgt 25 Urlaubstage bei 5 Arbeitstagen pro Woche. Urlaubsanspruch für Auszubildende in Teilzeit bei 4 Arbeitstagen pro Woche: 25/5 x 4 = 20 Urlaubstage.
Vergütung: Auch Teilzeitauszubildende haben Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung. Sie kann prozentual niedriger berechnet werden und richtet sich nach dem Umfang der wöchentlichen Arbeitszeit.
Rechtliche Rahmenbedingung: Während der Teilzeitausbildung ist eine weitere Verkürzung der Berufsschulzeiten grundsätzlich nicht vorgesehen. Die Vermittlung der Ausbildungsinhalte muss an die verkürzte Arbeitszeit angepasst werden. Ebenso ist die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung an die geänderten Arbeitszeiten anzupassen.

Mehr unter:  www.ihk-oldenburg.de