50 Millionen Kubikmeter Abwasser im Blick

Seit Bremen 1893 mit dem Bau einer unterirdischen Kanalisation zur Abwasserentsorgung begann, ist das Rohrleitungssystem enorm gewachsen. Von Bremen bis Palermo – so weit reichten die Kanäle, würde man Rohr für Rohr aneinanderbauen.

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Das Kanalnetz ist mit einer Strecke von rund 2300 Kilometern deutlich länger als das Bremer Straßennetz. Mehr als 200 Pumpen und Steuerungsanlagen gehören zu der „Stadt unter der Stadt“. In zwei Kläranlagen in Seehausen und Farge werden die jährlich 50 Millionen Kubikmeter Abwasser nahezu rückstandsfrei gereinigt. Dass der Schmutz aus der Kanalisation mitsamt seinen Schadstoffen ungereinigt in die Weser fließt, wie es noch bis 1966 üblich war, ist heute undenkbar. Der Betrieb hanseWasser wacht im Auftrag der Stadt über die umweltverträgliche Entsorgung.

„Ich habe mich für diese Branche entschieden, weil ich mich für den Umweltschutz engagieren will“, sagt Jenny Abromeit, die im Herbst vergangenen Jahres bei dem Unternehmen ihre Ausbildung startete. Ähnliche Gründe führen ihre Kollegen Jens Höweler und Michel Könemann für ihre Berufswahl an. Sie sind begeistert von ihrer Arbeit in der hanseWasser-Kläranlage in Seehausen. „Viele glauben, dass wir mit frischen Fäkalien zu tun hätten. Aber das stimmt nicht“, sagt Höweler, der im dritten Lehrjahr zum Abwassertechniker ist. „Es läuft alles mit moderner Technik. Mit dem Abwasser kommen wir selten in Berührung – und wenn, ist das weder schlimm noch eklig.“

Alle paar Wochen wechseln die jungen Leute ihren Einsatzbereich auf dem mehrere Hektar großen Gelände am Weserdeich. „So lernen wir den gesamten Abwasserreinigungsprozess kennen“, berichtet Könemann, der sich im ersten Lehrjahr befindet. Dazu gehört zum Beispiel die technische Überwachung der großen Belebungsbecken, in denen Mikroorganismen organische Stoffe sowie Stickstoff und Phosphor aus dem Schmutzwasser filtern. Außerdem unterstützen die Auszubildenden den Messtrupp und die Mitarbeiter des Labors, die täglich Wasserproben nehmen, um die Reinigungsleistung der Anlage zu prüfen. Ihr Arbeitsplatz ist ebenso im Büro wie unter freiem Himmel, in der Werkstatt und im Labor angesiedelt.

„Als ausgelernte Fachkräfte sind wir dafür zuständig, dass die Kläranlage einwandfrei läuft. Wir analysieren Proben, führen Reparaturen an der Technik durch und nehmen Elektroinstallationen vor“, erläutert Könemann. Jede Menge Know-how, etwa in Chemie, Physik, Biologie und Elektrotechnik, ist für die verantwortungsvolle Tätigkeit nötig.

Die Nachwuchskräfte absolvieren entsprechende Fächer während ihres Berufsschulunterrichts, der in Blöcken am Bildungszentrum für Technik und Gestaltung in Oldenburg stattfindet. „Eine Kläranlage ist so komplex, dass unsere Nachwuchskräfte in der Regel einen erweiterten Realschulabschluss oder Fachabitur haben“, sagt Ausbildungsleiterin Szerzant. Jeder Bewerber ab solviert außerdem zunächst ein Praktikum, um die Arbeit genauer kennenzulernen.

In der Regel werden in jedem neuen Lehrjahr zwei junge Leute eingestellt. „Der Bedarf ist da, darum haben Bewerber gute Chancen“, erläutert Szerzant. „Wir bilden in erster Linie für den eigenen Betrieb aus und übernehmen engagierte junge Leute gerne.“ Darüber hinaus werde die berufliche Weiterbildung zum Meister und Techniker gefördert. Auch der Weg über ein sich anschließendes Studium in den Bereichen Umwelt- oder Verfahrenstechnik sei eine gute Option. Aufgrund des Fachkräftemangels hätten die ausgelernten Abwassertechniker außerdem sehr gute Karrierechancen in der Industrie.

Noch mehr Infos gibt es auf www.hansewasser.de